Wer nach einem Anwalt sucht, der die Corona-Maßnahmen nicht als abgeschlossenes Kapitel betrachtet, sondern als laufenden Rechtsstreit um Grundrechte, der landet früher oder später bei diesem Kanal. RA Ludwig, nach eigenen Angaben seit März 2020 als sogenannter "Querdenkeranwalt" aktiv, hat sich auf Telegram eine Gemeinschaft von über 66.000 Abonnenten aufgebaut — eine Zahl, die zeigt, wie groß die Nachfrage nach diesem spezifischen Blickwinkel auf Recht und Staat ist.
Der Kanal bewegt sich klar im Milieu der Corona-kritischen Bewegung. Inhaltlich dominieren juristische Themen rund um die Aufarbeitung der Pandemiejahre: Verfahren gegen Ärzte, die Maskenbefreiungen ausstellten, staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Demonstranten, Fragen zu Auskunftsansprüchen gegenüber Impfstoffherstellern und grundsätzliche Debatten über Verfassungsbruch durch staatliche Akteure. Gelegentlich postet Ludwig auch persönliche Stellungnahmen — etwa zum Mandatswechsel im Fall einer bekannten angeklagten Ärztin — was dem Kanal eine gewisse Authentizität verleiht.
Neben den juristischen Inhalten erscheint der Kanal jedoch zunehmend als Verteilerplattform für das breitere Querdenken-Netzwerk. Friedensdemonstrationen am Frankfurter Römerberg, Workshops für datenschutzfreundliche Smartphones mit GrapheneOS, Videos von Michael Ballweg und der Organisation Querdenken-711 — das alles findet hier seinen Platz. Der Fokus auf Rechtsthemen verwässert damit spürbar, und wer einen reinen Rechtsblog erwartet, wird sich manchmal in einem politischen Aktivismusnetzwerk wiederfinden.
Hinzu kommen regelmäßige Werbeanzeigen: Nahrungsergänzungsmittel wie Nattokinase oder Melatonin-Präparate tauchen zwischen den juristischen Beiträgen auf — ein Werbeumfeld, das zur Zielgruppe passt, den professionellen Eindruck aber nicht stärkt. Die Posting-Frequenz liegt bei etwa drei bis fünf Beiträgen pro Woche, was für einen aktiv praktizierenden Anwalt durchaus nachvollziehbar ist.
Inhaltlich bewegt sich Ludwig in einem Bereich, der in der Mainstream-Rechtspresse kaum beleuchtet wird: die systematische Strafverfolgung von Ärzten und Demonstranten nach den Pandemiejahren, die Frage nach politisch motivierter Justiz, die Rolle der Meinungsfreiheit in Gerichtsverfahren. Interviews mit Professoren wie Matthias Schrappe, der die epidemiologischen Grundlagen der Maßnahmen kritisiert hat, geben dem Kanal gelegentlich wissenschaftliche Substanz.
Für wen lohnt sich dieser Kanal? Vor allem für Menschen, die juristisch auf dem Laufenden bleiben wollen, was die Nachbereitung der Corona-Politik betrifft — Betroffene, Ärzte unter Druck, oder rechtlich interessierte Bürger aus dem kritischen Spektrum. Wer hingegen eine neutrale Rechtsberatung oder ausgewogene juristische Kommentare sucht, wird hier nicht fündig. Der Kanal ist eindeutig positioniert, und das mit Überzeugung — das ist seine Stärke und zugleich seine Grenze.