Wer nach der Pandemie noch immer Antworten sucht, die offizielle Stellen nicht liefern wollen, landet früher oder später bei Tom Lausen. Der selbsternannte Datenanalyst hat sich seit den Corona-Jahren als eine der bekanntesten kritischen Stimmen im deutschsprachigen alternativen Medienmilieu etabliert — und sein Telegram-Kanal ist das digitale Epizentrum dieser Aktivität.
Der thematische Schwerpunkt ist klar umrissen: Corona-Aufarbeitung, Impfschäden, politische Verantwortung und die Arbeit parlamentarischer Untersuchungsausschüsse. Lausen begleitet aktiv Ausschusssitzungen in Thüringen, Südtirol und Cottbus, berichtet aus erster Hand und veröffentlicht Mitschnitte sowie Videoanalysen, die er als Gegengewicht zur öffentlich-rechtlichen Berichterstattung versteht. Der Anspruch ist explizit: nicht nur "Lieblingsexperten" der Regierung dokumentieren, sondern auch jene, die systematisch ignoriert wurden.
Die Posting-Frequenz ist moderat — meist zwei bis vier Beiträge pro Woche — und besteht überwiegend aus Links zu YouTube-Videos, Livestreams auf Plattformen wie DLive, Rumble oder Kick sowie kurzen persönlichen Kommentaren. Eigene Textanalysen im klassischen Sinne sind selten; der Kanal funktioniert eher als Verteiler für Videoinhalte, die anderswo produziert werden. Das ist gleichzeitig seine größte Schwäche: Wer tiefgehende schriftliche Auseinandersetzungen erwartet, wird enttäuscht.
Was den Kanal von reinen Nachrichtenkanälen unterscheidet, ist die persönliche Note. Lausen schreibt gelegentlich direkt aus dem Alltag — etwa von seiner Aussage vor dem Südtiroler Landtag oder von Tankpreisen auf der Rückfahrt aus Bozen. Das schafft eine gewisse Nähe, die in diesem Milieu offenbar geschätzt wird. Rund 46.000 Abonnenten folgen dem Kanal, was für einen Einzelakteur ohne institutionellen Rückhalt beachtlich ist.
Inhaltlich bewegt sich Lausen in einem Spektrum, das kritische Wissenschaftler wie Prof. Dr. Matthias Schrappe zitiert — ein durchaus renommierter Gesundheitswissenschaftler, der tatsächlich Kritik am PCR-Massentesten geäußert hat — und gleichzeitig Formulierungen verwendet wie "Die Propaganda zieht weiter. Beute ist gemacht", wenn BioNTech ein Werk schließt. Diese Vermischung von legitimer Systemkritik mit zugespitzter Rhetorik ist charakteristisch und sollte Leser zur eigenen Einordnung anhalten.
Die Vernetzung mit anderen alternativen Medienformaten wie Bittel.TV, Nuoviso oder StandHaft-Film zeigt, dass Lausen fester Bestandteil eines gut vernetzten Ökosystems kritischer bis verschwörungsaffiner Kanäle ist. Wer dieses Netzwerk kennt, weiß, welche Grundhaltungen dort vorherrschen.
Fazit: Der Kanal richtet sich an Menschen, die der offiziellen Corona-Narrative grundsätzlich misstrauen und aktiv nach Gegenerzählungen suchen. Wer parlamentarische Aufarbeitungsprozesse aus einer dezidiert regierungskritischen Perspektive verfolgen möchte, findet hier gebündelte Informationen. Wer hingegen ausgewogene Analyse erwartet oder Primärquellen selbst einordnen will, sollte den Kanal allenfalls als einen von vielen Bausteinen nutzen — und stets mit kritischer Distanz.