Beate Bahner ist in Deutschland keine Unbekannte. Die Heidelberger Rechtsanwältin erlangte während der Corona-Pandemie bundesweite Bekanntheit, als sie im Frühjahr 2020 eine einstweilige Verfügung gegen die Corona-Schutzmaßnahmen erwirkte — ein Beschluss, der wenig später wieder aufgehoben wurde. Seitdem ist sie zu einer festen Größe im deutschsprachigen Raum derjenigen geworden, die die staatliche Corona-Politik grundlegend ablehnen.
Ihr Telegram-Kanal mit über 86.000 Abonnenten spiegelt diese Haltung konsequent wider. Im Mittelpunkt steht die juristische und politische Aufarbeitung der Pandemiemaßnahmen: Verfahren gegen Soldaten, die die Impfpflicht verweigerten, die strafrechtliche Verfolgung von Ärzten, die Masken- oder Impfbefreiungsatteste ausstellten, sowie die Arbeit verschiedener Enquete-Kommissionen in deutschen Bundesländern. Wer verstehen will, wie diese Aufarbeitungsdebatte in bestimmten Kreisen geführt wird, findet hier reichhaltiges Material.
Doch der Kanal beschränkt sich längst nicht auf Rechtsfragen. Das Spektrum ist deutlich breiter und mitunter überraschend heterogen. Neben juristischen Inhalten finden sich spirituelle Zitate des bulgarischen Mystikers Omraam Mikhael Aivanhov, Warnungen vor der Abschaffung des Bargelds, Beiträge über BlackRock als vermeintliche Weltmacht, Hinweise auf das Bilderberg-Treffen und Verlinkungen zu Kanälen wie AUF1 oder KlagemauerTV — Quellen, die im Mainstream-Diskurs als verschwörungstheoretisch eingestuft werden.
Genau hier liegt die entscheidende Schwäche des Kanals: Die redaktionelle Linie ist kaum erkennbar. Seriöse Berichterstattung über tatsächliche Gerichtsverfahren steht unvermittelt neben emotionalen Appellen, spirituellen Lebensweisheiten und Inhalten, die ohne jede Quellenprüfung weitergeteilt werden. Das macht es schwer, den Kanal als verlässliche Informationsquelle zu nutzen — selbst für jene, die die grundsätzliche Kritik an der Corona-Politik teilen.
Der Posting-Rhythmus ist hoch, oft mehrere Beiträge täglich, wobei Bahner selbst verfasste Texte eher die Ausnahme sind. Vieles ist Kuratierung fremder Inhalte, Verlinkungen und Weiterleitungen aus dem Netzwerk gleichgesinnter Kanäle. Eine eigene anwaltliche Analyse oder juristische Einordnung, die man von einer Rechtsanwältin erwarten würde, kommt vergleichsweise selten vor.
Für wen eignet sich dieser Kanal? In erster Linie für Menschen, die die offizielle Corona-Aufarbeitung als unzureichend empfinden und sich in einem Informationsumfeld bewegen wollen, das diese Kritik teilt. Wer hingegen juristische Tiefe, quellengeprüfte Recherche oder eine klare redaktionelle Handschrift sucht, wird enttäuscht sein. Der Kanal funktioniert eher als Aggregator einer bestimmten Weltanschauung denn als rechtlicher Fachinformationsdienst — trotz des professionellen Namens im Titel.