Wer sich im deutschsprachigen Internet abseits des medialen Mainstreams bewegt, kennt das Muster: Ein Blogger und YouTuber positioniert sich als unabhängige Stimme gegen das Establishment, sammelt eine treue Gefolgschaft und finanziert sich über Direktspenden. Genau das ist das Geschäftsmodell von Niklas Lotz, bekannt unter dem Namen Neverforgetniki.
Der Kanal fungiert im Wesentlichen als Verlängerung seines YouTube-Kanals. Täglich erscheinen zwei bis drei Posts, die fast ausschließlich auf neue Videos verlinken, begleitet von Betreffzeilen im Stil von Reißerüberschriften: Merz scheitert, die EU plant Fahrverbote, die Slowakei trotzt Brüssel. Die Themen kreisen konsistent um europäische Politik, Migrationsfragen, Sanktionspolitik gegenüber Russland und die AfD. Der Ton ist dabei durchgehend alarmistisch und konfrontativ, das Publikum wird regelmäßig mit "UNBEDINGT TEILEN!" mobilisiert.
Was den Kanal inhaltlich kennzeichnet, ist eine klare politische Verortung im rechtskonservativen bis rechtspopulistischen Spektrum. Die EU-Institutionen, die Bundesregierung und der öffentlich-rechtliche Rundfunk werden als Gegner dargestellt. Dass der innenpolitische Sprecher der AfD öffentlich zur Unterstützung des Kanals aufruft, sagt einiges über die ideologische Ausrichtung aus — auch wenn Lotz sich selbst als freien Journalisten bezeichnet.
Journalistisch ist das Angebot allerdings mit Vorsicht zu genießen. Eine Trennung zwischen Meinung und Berichterstattung findet praktisch nicht statt. Die Spendenaufrufe, die täglich im Kanal erscheinen und stets mit dem Verweis auf "massive linke Repressionen" begründet werden, sind ein stilistisches Mittel, das eher an emotionale Mobilisierung als an seriösen Journalismus erinnert. Die Rhetorik des Opferstatus — acht Jahre Bekämpfung, Mundtotmachung durch Aktivisten — ist ein festes Narrativ, das die Community zusammenhält und zur Finanzierung motiviert.
Mit rund 35.000 Abonnenten hat der Kanal eine für diese Nische respektable Reichweite aufgebaut. Das Publikum ist offensichtlich loyal und bereit, den Kanal finanziell zu tragen. Das spricht für eine starke emotionale Bindung zwischen Lotz und seinen Followern.
Was fehlt, ist redaktionelle Tiefe. Der Kanal bietet kaum Analysen, keine Quellenangaben in den Posts selbst und keine erkennbare journalistische Methodik. Wer differenzierte Einordnung sucht, wird hier nicht fündig. Wer hingegen eine dezidiert regierungskritische, EU-skeptische und migrationspolitisch konservative Perspektive auf deutsches und europäisches Geschehen sucht — und dabei bereit ist, den aktivistischen Charakter des Formats zu akzeptieren — findet in Neverforgetniki einen konsequent aufgestellten Kanal.
Fazit: Neverforgetniki ist kein journalistisches Angebot im klassischen Sinne, sondern politischer Aktivismus mit Spendenmodell. Für das Zielpublikum funktioniert das offensichtlich. Alle anderen sollten die Inhalte mit entsprechend kritischer Distanz konsumieren.