Wer glaubt, Gesundheitsratschläge im Internet seien harmlos und leicht einzuordnen, sollte einen genaueren Blick auf GesundIstBesser werfen. Der Kanal positioniert sich als aufklärerische Alternative zur Schulmedizin und zum Mainstream-Gesundheitsjournalismus – und liefert dabei ein inhaltlich höchst gemischtes Bild.
Auf den ersten Blick bietet der Kanal durchaus nützliche Informationen: übersichtliche Beiträge zu Mineralstoffmangel, Hinweise auf Symptome bei Zink-, Magnesium- oder Eisenmangel, Erklärungen zu Heilpflanzen oder Warnungen vor illegal anzupflanzenden Gewächsen im eigenen Garten. Solche Inhalte sind sachlich aufbereitet, leicht verständlich und für ein breites Publikum tatsächlich hilfreich. Hier erfüllt der Kanal sein Versprechen: Gesundheitswissen niedrigschwellig zu vermitteln.
Doch daneben finden sich Beiträge, die kritisches Nachdenken dringend erfordern. Regelmäßig werden Inhalte geteilt, die Impfungen grundsätzlich infrage stellen, die Pharmaindustrie pauschal als kriminell darstellen oder verschwörungstheoretische Narrative rund um das Mikrobiom, Blutspenden und angebliche staatliche Kontrollmechanismen verbreiten. Autoren wie Heiko Schöning, der in der Querdenker-Szene bekannt ist, oder Dr. Gerhard Buchwald, ein erklärter Impfgegner, werden als Quellen herangezogen, ohne dass ihre umstrittenen Positionen eingeordnet oder hinterfragt werden. Begriffe wie "Plandmie" tauchen unkommentiert als Hashtags auf – ein klares Signal für das weltanschauliche Umfeld des Kanals.
Hinzu kommt eine inhaltliche Beliebigkeit, die irritiert: Zwischen Gesundheitstipps erscheinen Beiträge über selbstgebautes Werkzeug, globale Düngemittelkrisen oder Fragen zur universitären Physiklehre. Das hat mit dem erklärten Thema Gesundheit wenig zu tun und erweckt den Eindruck eines Kanals, der vor allem ein bestimmtes Misstrauen gegenüber Institutionen kultiviert – unabhängig vom eigentlichen Thema.
Der Disclaimer, der unter fast jedem Beitrag erscheint und darauf hinweist, dass die Inhalte keine medizinische Beratung ersetzen, wirkt angesichts der teils eindeutig wertenden Aussagen zu Impfungen oder Pharmaprodukten wie eine Schutzformel, nicht wie echte Vorsicht. Über 43.000 Abonnenten folgen diesem Kanal – eine Reichweite, die die Wirkung solcher Inhalte nicht zu unterschätzen erlaubt.
Für wen ist dieser Kanal also geeignet? Wer grundsätzlich skeptisch gegenüber der Schulmedizin ist und sich in einem alternativmedizinisch-kritischen Milieu bewegt, wird hier viele Inhalte finden, die die eigene Weltsicht bestätigen. Wer jedoch faktenbasierte, wissenschaftlich eingeordnete Gesundheitsinformationen sucht, ist hier falsch. GesundIstBesser liefert gelegentlich echten Mehrwert, verliert sich aber zu oft in einem Dickicht aus Misstrauen, unbelegten Behauptungen und politisch gefärbten Narrativen. Ein Abonnement sollte man nur mit ausgeprägtem Urteilsvermögen und dem Willen zur Gegenrecherche in Betracht ziehen.